PART II: Autokauf in Western Australien



Schon bei meiner letzten Australienreise an die Ostküste sind mir die horrenden Preise für Mietwagen negativ aufgefallen. Für einen Campervan darf man gut und gerne mal 2000 € für 2-3 Wochen hinlegen. In der Hauptsaison mehr. Richtig teuer wird es dann allerdings, wenn man sich dazu entschließt, einen Allrad mit Campingequipment zu mieten. Den günstigsten, den ich hier gefunden habe, lag immer noch bei rund 9.000 € für meine Reisezeit. Natürlich habe ich schon vorher gehört, dass man sich problemlos ein Auto kaufen kann - allerdings war ich aufgrund meiner doch eher kurzen Reisezeit etwas skeptisch: Bekomme ich das Auto wirklich wieder verkauft?

Als mir Tim, ein Kumpel aus alten Tagen der mittlerweile in Australien lebt, anbot mich beim Kauf- und Verkauf zu unterstützen habe ich mir einen Ruck gegeben und mich auf die Suche begeben. Zunächst musste ich mir klar machen, was mein 4WD in der Version übermännlich 2.0 denn alles können muss.


Es sollte ein Nissan Patrol, Toyota Landcruiser (Prado), Mitsubishi Pajero oder notfalls auch ein Landrover werden. Alles Autos die leicht wieder verkauft werden können, da es überall in Australien viele Ersatzteile gibt. Außerdem sind sie einigermaßen wertstabil. Gerade die Ersatzteilverfügbarkeit spielt später noch eine wichtige Rolle.


Soviel zum Basisfahrzeug. Darüber hinaus waren diese Dinge auf meiner Checkliste:

  • Dachzelt für mindestens 2 Personen

  • Campingequipment möglichst vorhanden

  • Genügend Platz im Fahrzeug für mein Kiteequipment

  • Auto in gutem Zustand

  • Ersatzrad

  • Bullbar (Die Kängurus können einem durchaus mal ins Auto rennen)

  • WA-Rego (Kann man unkompliziert transferieren)

Aufgrund meiner eher begrenzten Zeit für den Autokauf war mir schnell klar, dass ich nicht umher kommen werde ein "Backpackcar" zu kaufen. Ich hatte einfach nicht genügend Zeit mir ein Auto selbst auszubauen bzw. auch noch ein Dachzelt und das ganze Campingequipment zu kaufen. Natürlich sind diese Autos wesentlich teurer als "normale" Gebrauchtwagen.

Ich selbst bin in einer FB-Gruppe auf mein Auto aufmerksam geworden. Man kann allerdings auch bei Gumtree fündig werden - quasi das Ebay Kleinanzeigen von Australien. Es lohnt sich auch immer die Pins an den schwarzen Brettern in Hostels zu studieren oder einfach mal bei einem Gebrauchtwagenhändler vorbeizufahren.


Hier wird man sicherlich fündig auf der Suche nach Autos an der Westküste:

Den Meisten stellt sich ja immer die Frage nach der Adresse. Hier sollte man wissen, dass man in WA zwei Adressen angeben kann:

  • Residential (Wohnadresse)

  • Postal (Adresse, an der man die Post empfängt)

Die Residential MUSS in WA sein. Hier also am Besten eine Hostel- oder Hoteladresse angeben. An die zweite Adresse wird die Post geschickt - ich habe mich hier für einen Mailservice mit Sitz in Sydney entschieden. Dort werden Briefe gescannt und per Mail verschickt.


Neben der Adresse stellt sich vielen auch die Frage nach dem Bezahlen. Das funktioniert entweder über ein Australisches Konto (Haben die meisten Backpacker sowieso) oder eben direkt über die Banküberweisung. Diese Banküberweisungen sind meistens sehr teuer und können oft auch nur bei einem Bankbesuch ausgelöst werden. Ich habe deswegen größere Summen immer über Transferwise beglichen. Ist wirklich kostengünstig im Vergleich zu einer internationalen Überweisung.


Über BCA bin ich schließlich sehr schnell auf einen Toyota Landcruiser Prado gestoßen. Davor hatte ich mir noch einen recht günstigen Nissan Patrol angeschaut - der war allerdings komplett durch und völlig überteuert.

Der Prado war von einem deutschen Backpacker paar vollständig ausgestattet - mit allem was das Herz begehrt (und noch ein bisschen mehr). Nachdem sich das Auto auch noch super gefahren hat, war die Entscheidung schnell gefallen: Der Prado soll es sein.

Wir haben das Ummelden über ein "Transfer of ownership" Formular gemacht. Das Formular bekommt man bei jeder Poststelle. Allerdings habe ich nie die Gebühr dafür bezahlt, da das Formular irgendwo hängen geblieben ist. Wer es richtig und wirklich unkompliziert machen möchte der fährt einfach zum Department of Transport in Perth. Dort wird einem wirklich sehr schnell und unkompliziert geholfen. In diesem Zuge kann man als Ausländer auch direkt ein DoTdirect - Konto einrichten. Hierüber kann man später jederzeit unkompliziert die Rego des Autos verlängern. Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Die Gebühr des Umschreibens richtet sich nach der Höhe des Kaufpreises.


Meine Versicherung habe ich bei der AAMI abgeschlossen. Geht relativ unkompliziert online. Rückwirkend betrachtet würde ich jedoch nur noch über die RAC eine Versicherung abschließen. RAC unterhält - ähnlich wie der ADAC - ein großes Netzwerk von Abschleppdienstleistern und Werkstätten. Man sollte unbedingt eine "Comprehensive" Versicherung nehmen.

Bei der REGO in WA ist automatisch eine Versicherung gegen Personenschäden dabei. Heißt wenn man jmd. verletzt ist dies gecovert. Sachschäden können dann über die "Third party property" versichert werden - heißt aber, dass Schäden am eigenen Auto nicht übernommen werden. Dies spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn man einen Unfall hat bei dem man nicht der Verursacher ist und das eigene Auto trotzdem Schrott ist. Hier zahlt dann die eigene "Comprehensive" und holt sich später das Geld vom Unfallverursacher - egal ob dieser nicht versichert, Third party oder eben auch comprehensive ist. Die Versicherung ist - wie überall - für unter 25-Jährige sehr teuer.


Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen mit meinen Ausführungen etwas weiterhelfen - wenn Ihr Fragen habt dann meldet euch gerne. Eines habe ich jedoch gelernt: In Australien braucht man absolut keine Angst vor Behördengängen haben. Wenn die deutschen Ämter nur ein Drittel der Hilfs- und Servicebereitschaft hätten, wäre vieles einfacher.


BNSN.

PS: Wenn man in Australien ein Ticket bekommt, kann man sich dieses direkt im Web herunterladen:

© 2017 Benjamin Braun