Warum ein Renault Master und keiner von "den anderen"?


Ehrlich gesagt war ich nicht unbedingt von Anfang an auf der Suche nach einem Renault Master. Zunächst sollte es der Fiat Ducato - also der Klassiker unter den Kastenwägen werden.

Der Sprinter hatte mir auch seit je her gut gefallen. Allerdings hat er einen entscheidenden Nachteil: das Querschlafen.

Querschlafen. Querschlafen. Querschlafen.

Ich möchte unbedingt quer schlafen. Nicht wegen Feng Shui oder so. Ich finde einfach man kann den Raum optimaler nutzen, denn - und da kommen wir zum nächsten Kriterium - ich möchte einen Van haben der noch in eine Parklücke passt. Aber dazu später.

Beim Renault Master sind es im hinteren Bereich von äußerstem Blech zu dem gegenüberliegenden äußersten Blech 1.970 mm. Zieht man davon jeweils 19mm Isolierung pro Seite ab, bleiben also genau 1.932 mm über. Okay effektiv noch etwas weniger, weil die 1.970mm direkt über dem Holm gemessen sind. Nach oben hin wird der Master jedoch schmaler. Unser Bett wird bei ca. 80 cm Höhe beginnen. Wir werden dann also ein Bett haben das ca. 1,90 m lang ist. Die Bettbreite wird bei ca. 1.600 mm liegen (also knapp bis zur Schiebetüre 7 C-Säule). Mit meinen 1,85 m wird das sportlich. Deswegen muss erstmal ein Testbett her. Das schaut jetzt ungefähr so aus:

(Unter dem Holz sind noch Aluprofile, sieht man jetzt auf dem Bild nicht)

Auf diesem unheimlich einladenden Provisorium muss ich jetzt irgendwann demnächst mal eine Nacht schlafen um herauszufinden ob ich mit der Breite bzw. Bettlänge klarkomme. Irgendwann. Vielleicht am Wochenende? Mal sehen. Aber jetzt zurück zum Thema.

Parken. Parken. Ich bin so ein cooler Parker.

Okay - Längseinparken gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich laufe auch lieber 100 m weiter als mich in eine Parklücke in der Größe einer Briefmarke zu quetschen. Der Master ist in der Version L2 ziemlich genau 5.584 mm lang. Hier schenkt er sich nicht sonderlich viel zum Fiat Ducato etc. . Auf jeden Fall wird mit dieser Länge die Parkplatzsuche nicht zur never ending story. Da im Sprinter oder Crafter das Quer schlafen nicht funktioniert, hätte hier ein entsprechend längeres Fahrzeug her gemusst.

Qualität. Preis.

Ich bin kein KFZ- Mechaniker, Autoschrauben hat mich nie sonderlich gereizt. Dementsprechend würde ich mir nie anmaßen, die Fahrzeuge technisch oder von der Qualität her zu beurteilen. Meine Subjektive Meinung ist jedoch folgende:

Sprinter und Crafter sind preislich eine andere Liga wie die Ducatos, Master etc. . Der Ducato hat überall seinen Ruf als "unkaputtbar" weg. Der Renault Master ist nicht ganz so gegenwärtig, jedoch auch als sehr zuverlässiges Auto bekannt. Ersatzteilverfügbarkeit müsste wohl bei allen ähnlich sein. Was definitiv für Ducato und Sprinter / Crafter spricht, ist die Verfügbarkeit von "Umbauteilen" - Braucht man beispielsweise eine Drehkonsole für den Beifahrersitz oder einen Safe unter dem Beifahrersitz dürfte man für einen Ducato oder Sprinter wesentlich schneller etwas finden als für einen Master.

Kleinigkeiten. Design. Entscheidungsfindung.

Meine Spezifikation lag also nach langen Recherchen fest.

  • Ich möchte einen Fiat Ducato oder Renault Master haben.

  • Die neue Begleitung sollte so zwischen 3 und 5 Jahre alt sein und ca. 65.000 Km runter haben

  • Ich möchte vorne keine 3 Sitze sondern 2

  • Automatik fände ich nett, ist aber kein Muss

  • L2 H2 sollte er sein. H3 will ich nicht weil es dann mit der Maut schnell mal teuer werden kann.

  • Farbe ist mir egal, vielleicht nicht gerade rot oder pink

  • Er soll in der Schiebetüre und hinten schon Fenster drin haben

  • Motorisierung: Es dürfen gerne um die 100 (Diesel...) PS sein

  • Und: Bitte Unfallfrei.

Filtert man bei mobile.de oder Ebay Kleinanzeigen nach diesen Kriterien, so werden aus 100 schnell nur noch 5 Anzeigen die in Frage kommen. Grenzt man dann auf 200 km Umkreis ein, wird es mau.

Ich habe recht schnell bei einem Autohaus um die Ecke einen ehemaligen Schadstofftransporter (Renault Master) gefunden. Nach einer Probefahrt, vielen Stunden Recherche und Preisvergleich ist meine Entscheidung dann für den dellenfreien Schadstofftransporter aus Köln gefallen.

Preis- Leistung schien mir beim Master besser als beim Ducato. Obwohl mir der Ducato ehrlich gesagt optisch besser gefällt - vor allem von hinten, da hat er echt nen knackigen Arsch ;-)

Der ist es dann geworden:

  • Renault Master III

  • Baujahr 2013

  • 28.000 Km

  • Automatik

  • 125 PS

  • zwei Einzelsitze vorne

  • 2 Heckscheiben

  • Scheibe in der Beifahrerseite

  • Innenraum in Top Zustand

  • Ah- und Weiss ist er

Diese Fahrzeuge sollte man sich meiner Meinung nach auf jeden Fall anschauen wenn man einen Camperausbau plant:

  • Mercedes Benz Sprinter, VW Crafter

  • Fiat Ducato, Peugeot Boxer, Citroen Jumper

  • Renault Master, Nissan NV 400, Opel Movano

  • Ford Transit

Noch zwei Tips zum Schluss:

wer etwas mehr Zeit für die Suche hat und dafür vielleicht auch ein paar Km fahren will, kann sich auch mal im nahen Ausland umschauen. Gerade in den Niederlanden ist mir das hohe Angebot an gebrauchten Campern oder Kastenwagen positiv aufgefallen. Dank EU hält sich die Bürokratie auch in grenzen...

Beim Ausbau auch etwas auf die "Accessoires" achten. Ich hatte beispielsweise eine intakte Bodenplatte von Sortimo mit einem Flexrack dabei. Das Flexrack mit Netzen und auch die Trennwand habe ich bei Ebay verkauft. Die passende Bodenplatte spart mir allerlei Fummelei, Geld, Nerven und ist auch schon solide mit dem Basisfahrzeug verschraubt.

© 2017 Benjamin Braun